Der Anfang von IchSein

Mein Weg der Heilung

Der Anfang von IchSein

Dieser Blog ist entstanden kurz nachdem bei mir verdrängte Erinnerungen an sexuellen Missbrauch in meiner Kindheit hochkamen. Das Erlebnis war für mich als Kind so angsteinflößend und traumatisch gewesen, dass ich dachte ich würde sterbe und ich tatsächlich meinen Körper verlassen habe. In der schamanischen Tradition beschreibt man ein solches Trauma als die Abtrennung eines Seelenaspektes. Die Erinnerung kam aus meiner Sicht nun hoch, weil etwas in mir heilen und ganzwerden will. Auch wenn ich einen konstruktiven, ganzheitlichen Ansatz und viel Wissen besitze, bin ich mir dessen sehr bewusst, dass dies dennoch ein schwieriger Weg wird.

Ich habe festgestellt, dass dieser Weg auch ein ziemlich einsamer ist. Meine Umgebung hat auf meine Mitteilung meiner Entdeckung sehr unterschiedlich reagiert. Die Reaktionen der Menschen spiegeln exakt ihren wahren Charakter. Insofern war dies ein Moment der Wahrheit, denn Menschen sind in der Theorie natürlich alle liebevoll und gutmütig. In der Realität leider gar nicht. Und ich werde vor dieser Realität nicht die Augen verschließen. Ich werde meine Zeit, Aufmerksamkeit, Unterstützung nicht mehr an Menschen verschwenden die gleichgültig, herzlos oder gar niederträchtig reagierten. Ich richte diese Ressourcen jetzt auf mich selbst, um mich zu fördern, zu heilen und unterstützen.

Ich habe vor mehr als 10 Jahren, ebenfalls während einer Krise, angefangen zu schreiben, zunächst für mich, zur eigenen emotionalen Verarbeitung. Oft finden wir in unseren dunkelsten Momenten unsere größten Schätze und so war dies ein Weg der mich dazu brachte Bücher zu schreiben. Diese Bücher sind dazu gedacht andere Menschen zu ermutigen und inspirieren. Die entsprechende Website ist hier zu finden.

Ein weiterer Aspekt von mir ist, dass ich ein sehr sensitiver Mensch bin und mich mein gesamtes Leben lang mit spirituellen Themen befasst habe. Da die meisten Menschen diesem Thema mit Spott oder Angst begegnen, bin ich damit nie an die Öffentlichkeit getreten. Mir war vor acht Jahren gesagt worden es sei meine Bestimmung „Heilerin der Herzen“ zu sein. Etwas was ich damals noch weit von mir gewiesen habe, schließlich war ich selbst noch nicht gesundet. Auch erschien es mir anmaßend und vermessen. Nur bekam ich die gleiche Botschaft immer wieder und wieder, von völlig wildfremden Menschen. Mir wurde weiterhin gesagt, dass ich diesen sehr schwierigen Lebensplan gewählt habe um anderen helfen zu können. Was ich nun seit einem Jahr mache. Die Homepage mit dem dazugehörigen Blog waren bisher zumeist in englischer Sprache, da mein entsprechendes Umfeld international ist. Auch hier liegt mein Augenmerk natürlich auf den Menschen, denen ich mit dieser Arbeit diene.

Insofern kehre ich mit „IchSein“ nun zum Schreiben für mich selbst zurück, genau wie in der Krise in der ich ursprünglich mit dem Schreiben anfing. Die Gründe warum ich das Ganze nun überhaupt öffentlich betreibe, anstatt einfach nur ein weiteres Schreibheft zu füllen das nie veröffentlicht wird, sind die folgenden:

  • Ich möchte den Mut haben mit diesem Tabuthema in die Öffentlichkeit zu treten. Die Reaktionen meiner Umgebung haben mir gezeigt, dass Unsichtbarkeit, Schweigen und Scham nur den Tätern dient. Ignoranz ist kein Schutz, sondern Schwäche. Und da ich nicht zählen kann wie viele Menschen mir im Laufe der Zeit im Vertrauen berichtet hatten, dass sie einer Form von Missbrauch ausgesetzt waren, ist es Zeit dass wir kollektiv für uns einstehen.
  • Auch wenn ich dies für mich schreibe, bedeutet es nicht, dass es anderen nicht vielleicht doch auch helfen kann. Zu wissen, dass man eben nicht alleine ist, ist viel wert. Vielleicht kommt aus meiner Feder im Laufe der Zeit nicht nur schmerzliches, sondern auch ermutigendes oder inspirierendes.
  • Dieser Blog bedeutet für mich, dass ich einen der schwierigsten Momente meines Lebens wähle um komplett zu mir selbst zu stehen. Dass ich aus meiner Verwundbarkeit eine Stärke mache.

IchSein ist das Geburtsrecht eines jeden Menschen – sollte man meinen. In der Theorie mag das in demokratischen Staaten auch stimmen, aber im wahren, echten Leben sieht das oft völlig anders aus. Jeder sagt dir wie du zu sein hast, weil jeder möchte dass du seinen Normen entsprichst und seine Bedürfnisse erfüllst. Aber unser eigenes Leben kann und darf nur uns selbst gehören. Mir wurde bewusst, dass ich mich dem Diktat anderer unterwerfe, wenn ich nicht ausdrücke, wer ich wirklich bin. Missbrauch hat viele Formen und Abstufungen, aber er verletzt irgendwie immer die Souveränität eines anderen. Insofern ist „IchSein“ für mich das Symbol meiner eigenen Souveränität und Integrität.

 

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